Ein Blick zurück – meine Kindheit in der Nachkriegszeit
Musikalisch blieb ich dem Rock’n’Roll treu, doch mein Ohr öffnete sich für neue Klänge: Dixieland-Jazz, Skiffle-Musik, Chris Barber, Papa Bue’s Viking Jazz Band, Mister Aker Bilk. Auch meine Bücher wurden dicker und tiefgründiger: Alexandre Dumas, Frank Yerby, Thomas Edward Lawrence. Ich las von Rache, Revolution und Wüstenstürmen – und träumte davon, selbst Geschichte zu schreiben.
Der Regen hatte den Boden unter dem Eingangstor ausgewaschen – ein Geschenk des Himmels oder ein Komplott der Wettergötter. Ich kroch hindurch, nicht elegant, aber entschlossen. Und siehe da: Meine Kühnheit wurde belohnt.
Was ich nicht wusste: Der Preis für meine Tapferkeit war kein Orden – sondern ein Baby. Neun Monate später war ich nicht nur verliebt. Ich war Vater. Unbeabsichtigt, aber nicht unberührt.
Das Bild, das heute noch existiert, zeigt nicht den Anfang, sondern das Ergebnis: ein Vater auf einem Hocker, umgeben von seinen Kindern – warm eingepackt, mit großen Augen und kleinen Händen. Es ist kein Studiofoto mit Schleier und Anzug, sondern ein echtes Zeugnis von Liebe und Verantwortung, die früher begann als geplant – aber genau zur richtigen Zeit.
Ein Hochzeitsfoto haben wir leider nicht mehr – es ging verloren zwischen Umzügen und Lebensetappen. Was blieb, war das Wichtigste: unsere kleine Familie.
Ich redete mir ein, ich hätte zu jung geheiratet, um die Konsequenzen zu beschönigen. Doch es war zu spät, es ungeschehen zu machen. Es waren nicht die materiellen Verluste, die schmerzten – es war der Schmerz, den ich meiner Familie zufügte. Und mir selbst. Die Folgen begleiteten mich über Jahre.
Dieses Bild zeigt einen Mann, der glaubte, alles im Griff zu haben – und erst später erkannte, dass wahre Stärke nicht im Aufstieg liegt, sondern im Maßhalten. In der Treue. In der Verantwortung.
Was jetzt folgt, ist kein Neuanfang im klassischen Sinn. Es ist ein Weitergehen mit offenen Augen. Die Bilder, die jetzt folgen, zeigen nicht das perfekte Leben. Aber sie zeigen das Echte. Mit neuen Begegnungen, neuen Farben, neuen Fragen – und der stillen Hoffnung, dass aus Fehlern Weisheit wächst. Denn wer einmal gefallen ist und wieder aufsteht, trägt etwas in sich, das kein Erfolg je ersetzen kann: Tiefe.
Für manche verläuft das Leben nicht linear. Es gleicht eher einer Berg- und Talfahrt. Doch sowohl Höhen als auch Tiefen sind Lernpunkte. Bald geht es hier weiter – mit Bildern meines Lebenswegs
Trappistine Monastery in Landan, South Cotabato
Ich musste dieses Muster noch einmal durchleben, um es endgültig durchbrechen zu können. Ich konnte nicht mehr an Liebe glauben. Liebe war für mich fortan ein Märchen, weit entfernt jeder Realität.
Bundeskanzler Gerhard Schröder – Begegnung im Kanzleramt, die meiner Stiftung internationale Aufmerksam-keit verlieh.
Staatspräsident Fidel V. Ramos – Gast bei einem Stiftungsevent in München, dessen Unterstützung mich tief beeindruckte.
Mrs. Margie Moran-Floirendo – erste Präsidentin der Stiftung und großzügige Unterstützerin unseres Hilfsprojekts in Panabo City.
Marevic C. Cinco, inzwischen Präsidentin der Stiftung und Mrs. Margie Moran-Floirendo, Vice Präsidentin.
Mrs. Margie Moran-Floirendo, Mayor Jose L. Silvosa Sr., Ambassador Bill Tweddell and Heinrich Maria Heumann
“Your excellence, how do I have to address you?” Er lächelte und antwortete:
“Just call me Bill!”
So wie mein Projekt durch die Unterstützung des Botschafters und die Anerkennung des Bürgermeisters gestärkt wurde, so hallten auch die persönlichen Worte des Botschafters in mir nach. Denn hinter den offiziellen Begegnungen stand eine ganz andere Geschichte – meine Beziehung zu Marie. Acht Jahre waren wir schon zusammen, bevor der australische Botschafter mein Hilfsprojekt besuchte.
Ihre Antwort machte mich sprachlos: „Die meisten Männer wollen die Frauen nur ins Bett ziehen, machen Kinder und laufen dann zur Nächsten. Du bist anders. Du siehst mich als Person, für dich ist eine Frau nicht nur Objekt, sondern Partner. Du bist warmherzig, galant, charmant und bringst mich zum Lachen, wenn ich mal schlecht gelaunt bin. Ich kenne keinen Mann, der stets so gut gelaunt ist, wie du.“
Ich antwortete ihr genauso, wie dem Botschafter. Sie lachte nur. „Ein solcher Altersunterschied ist für eine Filipina kein Problem. Das Problem existiert nur in deinem Kopf. Aber du tust ihr weh, wenn du sie ablehnst. Sei dankbar für dieses Geschenk.“
Das bewog mich, darüber noch einmal mit Marie zu sprechen: „Dein liebenswertes Wesen hat mich aus einem emotionalen, tiefen Loch herausgeholt. Es ist ein Gottesgeschenk von so einem jungen, hübschen Mädchen geliebt zu werden. Wie könnte ich da nein sagen?“ Sie antwortete mit ihrem bezaubernden Lächeln: „Siehst du, du findest immer so hübsche Komplimente. Die jungen Männer haben dafür keinen Sinn.“
Ist sie nicht süß? Ich bin ein Glückspilz!
Beim Gespräch mit dem Priester, fragte mich dieser unverblümt: „Bist du sicher, du heiratest das letzte Mal? Auf den Philippinen gibt es keine Scheidung. Nur Treue bis zum Tod.“ Meine Antwort: „Bei mir ist das sonnenklar. Aber frage dieses junge Mädchen. Ich könnte ihr Vater sein.“ Der Priester antwortete ernst: „Sie ist eine Filipina. Für sie lege ich meine Hand ins Feuer.“ „Na, dann … kann ich es wagen.“
Der Hochzeitstermin stand fest, die Gäste waren geladen. Meine Frau kommt aus einer großen Familie – nicht wohlhabend, aber herzlich. Es wäre unmöglich gewesen, die gesamte Familie nach Davao City, unserem Wohnort, zu bringen. Daher beschlossen wir, bei ihrer Familie, auf der Insel Leyte zu heiraten.
Doch Petrus hatte andere Pläne. Der Taifun Haiyan, auf den Philippinen Yolanda genannt, verwüstete große Teile der Insel, besonders die Region um Tacloban. Auch die Kirche in Dulag, in der unsere Hochzeit stattfinden sollte, war schwer beschädigt. Ohne Dach konnte die Feier nicht stattfinden. Meine Frau sah unsere Hochzeit schon ins Wasser fallen.
Taifunschäden in Dulag
In dieser Situation mussten wir improvisieren. Mit zwei Lastwagen wurde die gesamte Hochzeitsgesellschaft in die 110 Kilometer entfernte Gemeinde Mahaplag gebracht, die in einer Talsenke liegt und vom Taifun weitgehend verschont blieb. Dort, in einem ländlichen Hotelresort, bekam meine Frau nach der Zeremonie in der Kirche, doch noch ihre Märchenhochzeit.
Die Mutter meiner Frau, Nichte Rene Rose, zwei ehemalige Lehrerinnen meiner Frau und Marie`s Schwester Michelle.
Marie`s Schwester Michelle wohnte vor ihrer Ehe bei uns im Haus.
Meine Schwiegereltern.
Glücklichsein ist nicht von irgendjemandem oder von irgendetwas abhängig.
Glücklichsein ist eine Entscheidung. Glücklichsein kommt von innen – und ist ansteckend.
Auch wenn meine Frau einmal einen schlechten Tag hat, muss ich nicht auch schlecht drauf sein. Meine Frau sagt: Das liebt sie besonders an mir. Dann muss es wohl so sein.
Am 6. April 2026 sind wir 12 Jahre verheiratet und insgesamt 20 Jahre zusammen.
Das verdient eine große Feier.
Wie sieht jetzt mein Alltag aus
Wärmer,
inspirierter,
freudvoller,
erfüllter!
Seit meine Frau die Regie an unserem Hilfsprojekt übernommen hat, widme ich mich überwiegend dem Schreiben von Romanen. Marie entlastet mich von der Arbeit im Hilfsprojekt. Sie ist ein Segen in meinem Leben.
Und Shadow unsere kleine Katze bietet sich als Schreibhilfe an – manchmal sogar als Rückenmasseurin.
Ihr Lieblingsplatz ist auf meinem Schoß. Dazu erklimmt sie mein Hosenbein.
Wenn ich nicht zuhause bin, schläft sie in meinem Schuh.
It`s a happy Life!
Nicht alles ist perfekt – aber sehr liebevoll.
„So schließt sich der Kreis: Aus Schmerz wurde Weisheit, aus Begegnungen wuchs Liebe, und aus der Liebe entstand ein Alltag voller Wärme und Dankbarkeit.
Heute weiß ich: Glück liegt nicht in der Vollkommenheit, sondern in der Resonanz von Herzen, die einander tragen.“
Auf meinem langen Weg bin ich endlich angekommen – nicht an einem Ort, sondern in einem Kreis von Menschen, die mir Heimat schenken.
